Abschied von der Steinergasse 8

Vielleicht noch im Dezember werden die letzten physischen Spuren des Gebäudekomplexes Steinergasse 8 / Bergsteiggasse 5 beseitigt – nach mehr als zehn Jahren Nutzung in Form von Ateliers, Werkstätten, Büros und Veranstaltungsräumlichkeiten.

Was davon am 26. Dezember 2021 noch übrig war, lässt sich den folgenden Aufnahmen entnehmen – ein trauriger Anblick, in krassem Gegensatz zur inspirierenden Lebendigkeit, die hier stets zu spüren war.

Zu den Plänen für die Zukunft dieses Areals habe ich derzeit leider keinerlei Informationen. Dem Trend der letzten Jahre im Viertel nach dürften hier wohl entweder Eigentumswohnungen und/oder freifinanzierte Mietwohnungen entstehen.

Blick von der Steinergasse


Blick von der Bergsteiggasse


Blick von der Bergsteiggasse

Aus Sicht der Protagonist*innen war die Steinergasse 8 in Hernals einer wichtigsten autonomen soziokulturellen Räume Wiens, bespielt generationenübergreifend mit einem reichen Veranstaltungsprogramm und nach dem Ende von “mo.ë” (Thelemangasse 4) und Ragnarhof (Grundsteingasse 12) der “letzte in dieser Größe verbliebene, niederschwellige Off-Space-Projekt-Raum”, wie es in der Petition heißt, in der die Verantwortlichen der Stadt Wien und das Bundesdenkmalamt aufgefordert wurden, sich für die Erhaltung dieses Ortes einzusetzen.

Allerdings vergeblich. Auch die 1.689 gesammelten Unterschriften, darunter meine, halfen nicht – obwohl wohl auch 10.000 oder mehr nichts geholfen hätten, in Anbetracht des notorischen Desinteresses der Stadt Wien an anderen Initiativen im Viertel, etwa am genannten Projekt mo.ë (siehe u. a. mo.ë – die letzten Tage).

Virtuell existiert die frühere Steinergasse 8 noch auf Facebook: de-de.facebook.com/Steinergasse8.

Videoclip
Ich verfüge über einige Videoaufnahmen von einem denkwürdigen Fest, das am 1. Oktober 2016 in den Räumlichkeiten der Steinergasse 8 stattfand. Der folgende Clip von ca. eineinhalb Minuten Länge (zwei Szenen) soll diesem kurzen Nachruf etwas von seiner Schwermütigkeit nehmen – ein Teil eines Wrestlings und einer Darbietung von “Torneró” unter Mitwirkung von Protagonist*innen und Freund*innen der Steinergasse 8. Die relevanten Akteurinnen und Akteure sind über die Veröffentlichung dieses Clips informiert.

Smartphone-Version

Brunnengasse 54-56: Doch das Gewog-Projekt

Das Rätsel um die Zukunft der Liegenschaft Brunnengasse 54-56 ist keines mehr: Es wird doch das bereits seit Jahren bekannte Projekt der Neue Heimat Gewog errichtet. Das aufklärende Plakat wurde erst viele Wochen nach Baubeginn an der Baustelle angebracht.

Nähere Projektinformationen gibt es auf der Website des Bauträgers: STADT(er)LEBEN!. Die Fertigstellung ist für das 3. Quartal 2023 geplant. Die Baustelle wird uns Grätzl-BewohnerInnen also noch einige Zeit erhalten bleiben.

Wie man erfahren kann, werden keine öffentlichen Förderungsmittel in Anspruch genommen, es handelt sich um freifinanzierte Mietwohnungen.

Das bedeutet zweierlei: Die Wohnungen unterliegen keiner Mietpreisbindung, billiger Wohnraum wird hier also nicht geschaffen. Und es wird dadurch einfacher, die gesamte Wohnimmobilie in einer einzigen Transaktion an interessierte InvestorInnen zu verkaufen. Damit kann auf den Zweck der Übung geschlossen werden: Der Wohnbauträger verfolgt offenbar die Absicht, sich mit diesem Objekt mittelfristig eine goldene Nase zu verdienen, indem der geschaffene Wohnraum dem “freien Spiel der Marktkräfte” ausgeliefert wird.

Womit alles Wesentliche zur “Gemeinnützigkeit” des Bauträgers gesagt wäre. Viel ist vom Nimbus des “Roten Wiens” nicht mehr übrig.

Webtipp: Mietmonitor – ist privates Mieten in Wien noch leistbar?

Wer kann sich noch eine private Mietwohnung in Wien leisten? Und wo gibt es überhaupt noch leistbare Wohnungen? Diese Fragen hat ein Team vom Institut für Raumplanung der TU Wien zu beantworten versucht. Basis waren 10.300 Immobilienangebote für den Zeitraum 2011-2019.

Das Ergebnis wird auf der Website mietmonitor.wien präsentiert.

Wer es noch nicht selbst anhand eigener Erfahrungen herausgefunden hat, wie es um die eigenen Chancen steht, findet dort Karten, Tabellen und Diagramme, die zeigen, wie (un)leistbar privates Mieten in Wien heute ist …

Interaktive Leistbarkeitskarte
Sehr aufschlussreich ist die interaktive “Leistbarkeitskarte”, bei der sich die gewünschte Wohnungsgröße wählen (Alle, 1-2 Zimmer, 3 Zimmer oder mehr als 3 Zimmer) und mittels Schieberegler das monatliche Netto-Haushaltseinkommen einstellen lässt (siehe Screenshot unten).

Je geringer das Einkommen, desto geringer der Anteil der “leistbaren” Wohnungsangebote in den jeweiligen Stadtteilen, was durch eine Farbskala mit den Extremwerten Hellgrün (für 100 % leistbar) und Hellrot (für 0 % leistbar) angezeigt wird.

Probieren Sie’s einmal mit der “Mindestpension” als Haushalts-Nettoeinkommen!
(Richtsatz für die Ausgleichszulage, 2021 ca. 1.000 Euro monatlich, allerdings 14-mal jährlich).

Brunnengasse 54-56: Was kommt nach dem Abriss?

Im Juni/Juli 2021 wurde das Gebäude Brunnengasse 54-56 (gegenüber dem Wollnerhof), das zuletzt einen Supermarkt beherbergte, tatsächlich abgerissen. Geplant war das schon lange. Was hier nun gebaut werden soll, konnte ich bisher nicht herausfinden, werde das allfällige Ergebnis meiner Nachforschungen aber nachtragen.

Update Dezember 2021: Es wird doch das ursprüngliche Projekt, siehe Brunnengasse 54-56: Doch das Gewog-Projekt.

Die ungewisse Zukunft dieser Liegenschaft ergibt sich für mich aus dem Umstand, dass das bereit vor Jahren angekündigte Wohnbauprojekt des gemeinnützigen Bauträgers Gewog (samt mehrgeschossiger Tiefgarage) auf der Website der Gewog nicht mehr zu finden ist – weder als geplantes noch als in Bau befindliches Projekt (siehe Projekte in Bau und Projekte in Planung).

Es sollte ursprünglich bereits 2019 fertigggestellt sein und hätte etwa so ausgesehen:

Ist hier vielleicht bei den Verhandlungen etwas schief gegangen? Das Grundstück gehört (nach meinen letzten Recherchen) jedenfalls den “Vereinigten Altösterreichischen Militärstiftungen”, ebenso wie das Yppenheim am Gürtel samt Park; der Gewog sollte offenbar nur ein Baurecht eingeräumt werden, wie ich im Februar 2016 anmerkte (Aufwertung stoppt Abrisse: Ein Märchen).

Wie auch immer: Die Story um dieses eingeschossige Objekt mit den vielen Schornsteinen habe ich schon seit Jahren verfolgt. Bereits in meinem ersten Goingbobo-Video von 2013 – nachstehend eingebettet – erwähne ich das Gebäude als klassischen Abrisskandidaten (von 8:25 bis 8:35) … Manchmal mahlen die Mühlen der Gentrifizierung langsamer als erwartet.

7 Femizide

Neues Graffiti im Yppenpark: 7 Femizide in Österreich.

Die Botschaft: Gewalt gegen einen Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen! Und was bei Femiziden oft vergessen wird: Gewalt ist kein Ausdruck von Liebe!

Mehr Informationen dazu: Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle!.

Update 13. 5. 2021: Das obige Graffiti im Yppenpark wurde bald übermalt. Vor Kurzem tauchte es in veränderter Form wieder auf – mit einer neuen traurigen Botschaft.

Projekt Apfelbaum – eine Vision

Was vorerst bloß wie einer der üblichen Zinshaus-Abrisse im Viertel aussah, entpuppte sich umgehend als Start eines sehr interessanten Neubauprojekts namens “Apfelbaum – Inklusives Leben und Wohnen in Hernals”.

Zuerst war ich ziemlich erschrocken: die neue Baulücke wirkt schon enorm groß, und das Zinshaus, das zuvor hier existierte (Ottakringer Straße 44), stand nicht wirklich auf der Liste meiner Abrisskandidaten. Dafür war es mir auch zu hoch – die Umrisse des Zinshauses sind noch zu sehen (siehe Aufnahme).

Ottakringer Straße 44 – Abriss für das Projekt Apfelbaum

Die wegen der Absperrungen etwas weit entfernten Projektinfos im A4-Format konnte ich nicht vor Ort entziffern, aber es gibt ja Digi-Kameras mit Zoom, die hier Abhilfe schaffen. Der Rest steht im Web. Was ich da herausfand, war für mich doch überraschend.
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