Brunnengasse 54-56: Was kommt nach dem Abriss?

Im Juni/Juli 2021 wurde das Gebäude Brunnengasse 54-56 (gegenüber dem Wollnerhof), das zuletzt einen Supermarkt beherbergte, tatsächlich abgerissen. Geplant war das schon lange. Was hier nun gebaut werden soll, konnte ich bisher nicht herausfinden, werde das allfällige Ergebnis meiner Nachforschungen aber nachtragen.

Die ungewisse Zukunft dieser Liegenschaft ergibt sich für mich aus dem Umstand, dass das bereit vor Jahren angekündigte Wohnbauprojekt des gemeinnützigen Bauträgers Gewog (samt mehrgeschossiger Tiefgarage) auf der Website der Gewog nicht mehr zu finden ist – weder als geplantes noch als in Bau befindliches Projekt (siehe Projekte in Bau und Projekte in Planung).

Es sollte ursprünglich bereits 2019 fertigggestellt sein und hätte etwa so ausgesehen:

Ist hier vielleicht bei den Verhandlungen etwas schief gegangen? Das Grundstück gehört (nach meinen letzten Recherchen) jedenfalls den “Vereinigten Altösterreichischen Militärstiftungen”, ebenso wie das Yppenheim am Gürtel samt Park; der Gewog sollte offenbar nur ein Baurecht eingeräumt werden, wie ich im Februar 2016 anmerkte (Aufwertung stoppt Abrisse: Ein Märchen).

Wie auch immer: Die Story um dieses eingeschossige Objekt mit den vielen Schornsteinen habe ich schon seit Jahren verfolgt. Bereits in meinem ersten Goingbobo-Video von 2013 – nachstehend eingebettet – erwähne ich das Gebäude als klassischen Abrisskandidaten (von 8:25 bis 8:35) … Manchmal mahlen die Mühlen der Gentrifizierung langsamer als erwartet.

7 Femizide

Neues Graffiti im Yppenpark: 7 Femizide in Österreich.

Die Botschaft: Gewalt gegen einen Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen! Und was bei Femiziden oft vergessen wird: Gewalt ist kein Ausdruck von Liebe!

Mehr Informationen dazu: Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle!.

Update 13. 5. 2021: Das obige Graffiti im Yppenpark wurde bald übermalt. Vor Kurzem tauchte es in veränderter Form wieder auf – mit einer neuen traurigen Botschaft.

Projekt Apfelbaum – eine Vision

Was vorerst bloß wie einer der üblichen Zinshaus-Abrisse im Viertel aussah, entpuppte sich umgehend als Start eines sehr interessanten Neubauprojekts namens “Apfelbaum – Inklusives Leben und Wohnen in Hernals”.

Zuerst war ich ziemlich erschrocken: die neue Baulücke wirkt schon enorm groß, und das Zinshaus, das zuvor hier existierte (Ottakringer Straße 44), stand nicht wirklich auf der Liste meiner Abrisskandidaten. Dafür war es mir auch zu hoch – die Umrisse des Zinshauses sind noch zu sehen (siehe Aufnahme).

Ottakringer Straße 44 – Abriss für das Projekt Apfelbaum

Die wegen der Absperrungen etwas weit entfernten Projektinfos im A4-Format konnte ich nicht vor Ort entziffern, aber es gibt ja Digi-Kameras mit Zoom, die hier Abhilfe schaffen. Der Rest steht im Web. Was ich da herausfand, war für mich doch überraschend.

Den Projektbeschreibungen nach wage ich zu behaupten: “Apfelbaum” ist das interessanteste Neubauprojekt seit Jahrzehnten im ganzen Yppen-/Brunnenviertel, oder sagen wir in der “Gegend”: Es liegt zwar zur Gänze in Hernals, aber die Südfront an der Ottakringer Straße 44 ist bloß rund 100 Meter von der “Piazza” am Ende des Brunnenmarkts entfernt. Es ist auch das größte: Es erstreckt sich Richtung Norden bis über die Geblergasse hinaus, mit einer Gesamtfläche von 12.500 m².

Und es hebt sich wohltuend vom Schema F ab, dem die meisten Wohnbauten im Grätzel seit Jahren entsprechen (u.a. maximale Anzahl von Eigentumswohnungen pro Grundstücksfläche, möglichst rascher Rückfluss des Investitionskapitals): Errichtet werden 103 Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung, ein StudentInnenheim, Dachgärten, ein Gesundheitszentrum und Geschäfte, mit Unterstützung durch Fördermittel der Stadt Wien. “Urban Gardening” ist auch vorgesehen …

Hier ein Plan des “Dorfs in der Stadt” von der Website von “Apfelbaum – Verein für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und Begabungen Wien (Wien)”. (Legende von mir umarrangiert.)

Projektplan, © Verein Apfelbaum

Link zu Apfelbaum: Mehr als ein Projekt. Eine Herzensangelegenheit.

Das Projekt auf der Website des Bauträgers, der Liv Immobilienvermarktung GmbH: Eine Vision, die Früchte trägt

Ein Zitat von der Website der verantwortlichen ArchitektInnen, Praschl-Goodarzi Architekten ZT-GmbH:
“Campus Apfelbaum ist ein visionäres Projekt, das neue Maßstäbe für ein selbstbestimmtes Leben in einer Form des Wohnens und Arbeitens ermöglicht. In zentraler Lage entstehen für Jung und Alt inklusive, soziale und offene Wohnformen mit Gemeinschaftsbereichen, großzügigen Grünflächen, Ruhezonen und Geschäftsflächen. Hier sollen Menschen mit und ohne Behinderung wohnen, die ein hohes Maß an gegenseitigem Respekt und Toleranz mitbringen.”

Projekt Apfelbaum auf der Website der IBA_Wien 2022: Inklusiv Leben und Wohnen in Hernals

Stadt Wien: Projekt “Apfelbaum” bietet Soziales Wohnen in Hernals

Neubautrend im Viertel: Beispiel Grundsteingasse 4

Das Projekt in der Grundsteingasse 4 ist ein gutes Beispiel für den Wohnungsneubau im Brunnen/Yppenviertel: Mit hoher Wahrscheinlichkeit alles Eigentum, inklusive “Vorsorgewohnungen” als Anlageobjekte.

Erstens deshalb, weil das zuvor existierende Althaus zu den “klassischen” Abrisskandidaten gehörte: Es hatte nur ein Stockwerk. Was da stand, kann man am Luftbild des Wiener Stadtplans noch halbwegs erkennen (siehe Bild rechts). Die Liegenschaft ist straßenseitig schmal, aber erstreckt sich auf der straßenabgewandten Seite doch über mehr als 60 Meter – damit lässt sich etwas anfangen. Vor allem in einem “Trendviertel” wie dem Brunnen- bzw. Yppenviertel.

Grundsteingasse 4, Neubauprojekt

Zweitens, weil der Projektbetreiber gut begründet hat, warum Vorsorgewohnungen “in Mode” sind (siehe Vorsorgewohnungen in Wien).

Wien biete einen “äußerst attraktiven Wohnmarkt”, und die Wertsteigerung von Immobilieninvestments sei seit 15 Jahren stets über der Inflationsrate gelegen. Vorsorgewohnungen seien daher eine Anlageform mit langfristigem Investmenthorizont. Die Hauptargumente:

  • Stabile und kalkulierbare Zusatzeinkünfte aus der Vermietung
  • Wertsteigerung durch Lageentwicklung, wachsende Infrastruktur und allgemeine Nachfrage
  • Startwohnung für die Kinder oder zu deren Vermögensbildung
  • Erzielung attraktiver Renditen

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Abreißen und (fast) nichts tun reicht auch

Weiter steigende Grundstücks- und Immobilienpreise und das Niedrigzinsumfeld machen es für Investoren attraktiv, Baulücken im dicht besiedelten Stadtgebiet jahrelang “brach” liegen zu lassen. Ein Beispiel vom Hernalser Gürtel.

Im Februar 2017, es ist schon bald vier Jahre her, entdeckte ich die Baulücke: ein ziemlich großes Gründerzeit-Zinshaus am Hernalser Gürtel 13 war abgerissen worden. Meiner dokumentarischen Selbstverpflichtung folgend wanderte ein Foto in meine mittlerweile unübersichtliche Galerie Dachbodenausbau, Sanierungen, Neubauten. Rechts abgebildet, weil sonst schwer zu finden.

An der Gürtelseite des Häuserblocks komme ich selten vorbei, unlängst aber doch wieder einmal. Und siehe da, die Baulücke besteht noch immer. Genutzt wird sie als Parkplatz, sogar in eine kleine Hecke wurde investiert. Am Tag der Aufnahme war der Parkplatz zwar leer, da es aber ein Samstag war, wären Rückschlüsse auf das Ausmaß der Nutzung eher voreilig.

Hernalser Gürtel 13 – Platz für PKWs


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